Zur Geschichte des Schützenwesens in Neubrandenburg (II)

Böllerkanone der Neubrandenburger Schützen von 1797 (Das Original befindet sich im Regionalmuseum Neubrandenburg)

Nachdem also die Schützenzunft in Neubrandenburg 1659 mit des Landesherzogs Zustimmung wieder aktiv geworden war, hatte sie im Verlauf von fast zwei Jahrhunderten vielerlei Aufgaben und Pflichten für die Stadt zu erfüllen. Neben den Verpflichtungen für das Gemeinwohl übten sich die Schützen natürlich auch im Umgang mit den sich allmählich verbessernden Waffen. Sie feierten Höhepunkte im Zunftleben – das Königsschießen – alljährlich nach festen Regeln und Traditionen. Aus der Reihe der Mitglieder wurde die Führung der Schützenzunft bestimmt, die in etwa Offiziersrängen entsprach.

 

Diese Führungsränge konnten aber im Laufe der Zeit nur noch wohlhabende Zunftmitglieder Übernehmen, da die Ausübung dieser Ämter zwar Privilegien in der Öffentlichkeit der Stadt versprachen, aber auch mit hohen finanziellen Aufwendungen verbunden waren. Geschossen wurde in diesen zwei Jahrhunderten in den Wallanlagen zwischen Neuem Tor und Friedländer Tor. Dieses Wallstück ist jetzt noch älteren Neubrandenburgern als „Schützenwall“ bekannt. Neben dem Neuen Tor entstand dann nach 1800 das Schützenhaus mit „Restauration“, kleineren Nebenräumen und einem größerem Versammlungs- und Feiersaal. Dazu gehörte eine neu angelegte Schießanlage.

 

In der ersten Hälfte des 19 Jahrhunderts, besonders in den Jahren nach den Freiheitskriegen gegen Napoleon in den deutschen Landen, verringerten sich die Aufgaben der Schützenzunft für die Stadt. Damit einher ging aber auch der Verfall der Gemeinschaftsidee und der körperlichen Ertüchtigung in der Schützenzunft. Junge Männer, es durften ohnehin nur so genannte freie Bürger der Stadt sein, so wurde es schwer gemacht, Zunftmitglied zu werden. Nicht mehr sportliche und menschliche Fähigkeiten waren zuerst gefragt, sondern eine gute finanzielle Position war wichtig. Das ließ den Schützenverein zu einem pomphaften Feierverein reicher Stadtbürger werden, der sich um die Einhaltung der eigenen Satzung nur wenig kümmerte. Besonders die Jugend der Stadt machte sich darüber lustig. So veranstaltete schon am 7. Juni 1837 die „hoffnungsvolle Schuljugend --- eine Parodie der feierlichen Ausmärsche besagter Zunft, wobei der Anführer mit rotem Tschako und weißem Federbusche ein ganz martialisches Aussehen hatte, so wie die ganze Ausführung dieser zeitgemäßen Idee überhaupt nichts zu wünschen übrig ließ.“

 

Aber noch änderte sich in der Schützenzunft nichts. Jedoch ließen die revolutionären Ereignisse um 1848 die Bürger etwas selbstbewusster und mutiger werden, jedenfalls was ihre städtischen Wünsche anging. Am 14. April 1850 erschien in Neubrandenburg ein  Artikel:  „Dem Vernehmen nach ist eine Petition an den Magistrat im Umlauf, worin derselbe ersucht wird, unter Vereinbarung mit der gesamten Schützenzunft --- eine zeitgemäße Veränderung der Schützenprivilegien, ähnlich wie mit dem Neustrelitzer in 48 geschehen, vorzunehmen. Besondere Punkte der Veränderung sind: allgemeines Stimmrecht bei der Wahl der höheren Chargen, eine der Zeit entsprechende Veränderung der Uniformen ---. Der Anschluss soll wegfallen. Durch die Veränderung der Uniformen wird eine nicht unerhebliche Einsparung für die jungen aufzunehmenden Bürger erzielt. Andere Veränderungen möchten sich natürlich bei der Revision herausstellen,--- Mag auch das Offizierscorps im ganzen vielleicht wenig von den hier vorgeschlagenen Neuerungen erbaut sein, so dürften doch wahrscheinlich die „Gemeinen“ denselben einen ungeteilten Beifall schenken, da ihnen dadurch mancherlei Erleichterung zu Teil wird. Es steht wohl außer Frage, daß das Institut unserer Schützenzunft So bedeutend hinter den Fortschritten der Zeit zurückgeblieben ist, daß es sich in seiner jetzigen Form gänzlich überlebt hat. Soll es daher wieder einen Aufschwung erhalten, so sind gründliche Reformen unumgänglich nötig.

 

Sicher hat es Veränderungen in der Neubrandenburger Schützenzunft nach diesem „Aufschrei“ einiger achtbarer Bürger gegeben, tief greifend können sie kaum gewesen sein. Über das Wie dieser Reform erfährt man leider nichts. In den nächsten beiden Jahrzehnten gab es die Zunft weiterhin, es ist nur äußerst wenig über ihr Wirken bekannt gegeben. Die Mehrheit der Bevölkerung der Stadt zeigte wohl wenig Interesse. Das änderte sich sehr in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts.

 

Neubrandenburger Schützen auf dem Marktplatz 1865 (ältestes Foto der Neubrandenburger Schützen)

Nach der Reichsgründung 1871 erfuhr das Schützenwesen im nun geeinten Deutschland einen tüchtigen Aufschwung, breite Beachtung.
Auch in Neubrandenburg reorganisierte sich die Schützenzunft im Juli 1872 und gab sich mit ca. 70 Mitgliedern eine neue Constitution. Von nun an erleben die Neubrandenburger regelmäßig die Wirksamkeit der Schützen. Jährlich findet das Königschießen in der Woche nach Pfingsten statt, an den Schützenbällen können auch Nichtmitglieder gegen Eintrittsgeld teilnehmen.

 

In den Sommermonaten werden häufig öffentliche Gewinnschießen nach Scheiben veranstaltet, oft wurden sie mit Volksfesten verbunden. Weiterhin wird jährlich im August, schon seit Jahren üblich, zum Vogelschießen für Einheimische und Freunde durch den Magistrat der Stadt ins Nemerower Holz eingeladen. Dieses Vogelschussfest, ebenfalls als Volksfest organisiert, erfreuten sich zunehmender Beliebtheit bei der Bevölkerung der Stadt und des Umlands. Die Schützenzunft gab die Ergebnisse ihrer jährlichen Generalversammlung öffentlich bekannt.


Nicht nur in Neubrandenburg, sondern auch in vielen umliegenden Orten, wie Neustrelitz, Friedland, Bug Stargard, Woldegk, Feldberg, Waren erfuhren die Schützenvereine größeren Zulauf. Die Schützenvereine wetteiferten miteinander und erwiesen sich Gastfreundschaft. In den süddeutschen Ländern gab es schon die Tradition größerer Schützenfeste, seit 1867 wurden nun auch in Mecklenburg alle 2 oder 3 Jahre Landesschützenfeste veranstaltet, an denen dann ebenfalls Neubrandenburger Schützen beteiligt waren.

 

Traditionelles Schießen (zeitgenössische Zeichnung)

Ein besonderer Höhepunkt für viele Schützenzünfte war das Bundesschießen 1875 in Stuttgart, zu dem sich Schützenbrüder aus dem ganzen deutschen Reich mit ausländischen Gästen trafen.

 

Der Glanz eines solchen Festes wurde durch die Zeitung auch in Neubrandenburg verkündet. Kein Wunder also, dass die Neubrandenburger Schützenzunft, mit inzwischen 2 Schützen- Vereinen, der Magistrat der Stadt und viele Bewohner mit Eifer - und Organisationsgeschick Das 1885 in Neubrandenburg stattfindende Landesschützenfest vorbereiteten. Und den Berichten nach gelang es! Die Sonne schien auf eine festlich geschmückte Stadt, auf einen prächtigen Festumzug, fröhliche Menschen und den Schützenkönig, den Uhrmacher Schröder aus Neustrelitz. Sogar die vielumsorgten Finanzen stimmten. Der Schützenzunft ging es im letzten Viertel des 19.Jahrhunderts gut. Am Schützenhaus wurde eine Kegelbahn gebaut, vor dem Stargarder Tor wurde 1886 ein neuer Schießstand eingeweiht, eine neue Schießhalle mit Restauration war entstanden, Konzerte bereicherten die Schützenfeste.

 

Die Schützenvereine unternahmen Ausflüge und gestalteten Feste im Brodaer Holz. Zu den gern besuchten Vogelschussfesten im Nemerower Holz konnten die Gäste mit dem Dampfschiff „Fritz Reuter“ über den See gelangen. Die Schützenzunft in Neubrandenburg mit den beiden Schützenvereinen trug wesendlich zum kulturellen Leben der Stadt bei. In den Nachrichten über die Schützenzunft tauchten als hervorragende Schützen über Jahre hinweg immer wieder die Namen des Friseurs Mathzeit des Schornsteinfegermeister Woost, des Schlächters Woost, des Spediteurs Gütschow, des Buchdruckers Greve, des Tapeziers Roeper, des Stuhlmacher Deutler, des Lehrers Bütow und Zur Jahreswende des Schmiedemeisters Marlow auf. Die Herren Schornsteinfeger Woost und Friseur Mathzeit wirkten überdies viele Jahre als Vorstand und Stellvertreter desselben in der Schützenzunft Neubrandenburg.


Alle Zitate entnommen dem Archivmaterial,
gesammelt von H-J Pape; H-W. Mucha; H. Michaelis

Ein Beitrag von SchSchwester Gisela Zehrt

 

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