Zur Geschichte des Schützenwesens in Neubrandenburg (I)

Das Wirken von Schützenverbänden, auch als Schützengilden, Schützenkompagny, Schützenzunft, Schützenverein benannt, lässt sich über Jahrhunderte in der Geschichte vieler deutscher Städte belegen; so auch in unserer Heimatstadt Neubrandenburg.

 

Um die Jahreswende 1564 –65 hatte wahrscheinlich die Bürgerschaft der Stadt an den Herzog Ulrich III., zu der Zeit Herzog zu Mecklenburg, die untertänigste Bitte gerichtet, mit landesherrschaftlicher Erlaubnis eine Schützenzunft gründen zu dürfen. Der Herzog Ulrich III. – mutmaßlich ein aufgeschlossener und selbst dem Schießen zugetaner Landesfürst – reiste demnach nach Neubrandenburg, um sich an Ort und Stelle von den Voraussetzungen für eine Schützenzunft selbst zu informieren.

 

Die Neubrandenburger Schützen müssen den Herzog von ihrem Anliegen und ihrem bisherigen Können überzeugt haben, denn bereits zu Pfingsten 1565, also am 14. Juni des Jahres, teilte er „ Denen Ersahmen Unseren lieben getreuen Bürgermerstern und Ratherman unser Stadt Nebrandenburgk“ mit, dass Schützengilden gnädigst gegründet werden könnten.


Die Begründung für diesen Erlass könnte die damaligen Neubrandenburger Schützen stolz gemacht haben. „...selbst gesehen wie andere Bürger in guter Übung desselben sein. Und wan sie dermaßen sich weiter zum Schießen befleißigen werden. Das nach etzlichen Jahren sehr gute Schützen daselbst werden gefunden werden.“

 

Ulrich, Herzog zu Mecklenburg

Aber der Herzog gestattet nicht nur die Gründung der Schützenzunft in Neubrandenburg, sondern weist auch gleich Unterstützung an: „Das von den selben Gilden oder auch sonsten von den einkommen der Stadt jährlich den Schützen zum besten ein sechs Gilden mögen deputirt werden.“ Für die Häufigkeit der Schießübungen dazu noch einen Hinweis. „Das auff alle Sontage das Schießen weiter mochte geübet und getrieben werden.“

 

Die Wünsche für den Erfolg der zu entstehenden Schützenzunft fasste Herzog Ulrich so zusammen: „ Das Gereichte der stadt zum besten uns zur besonderen gefallen, und sind Euch mit gnaden geneigt.“ So kann also als Geburtstag des Neubrandenburger Schützenvereins der 14. Juni 1565 gerechnet werden.

 

Wie stark die Schützengilden in Neubrandenburg in den folgenden Jahrzehnten wurden, mit welchen Waffen sie schossen, ob und welche Rituale und Regeln es für ihre Zusammenkünfte gab, ist leider nicht belegt. Es ist anzunehmen, dass die Neubrandenburger Schützen nicht nur als „Pfingstgilden“, wie in einem historischen Artikel über Schützengilden im Mittelalter vermerkt, auftraten, sondern ihr Schützenhandwerk durchaus zur Verteidigung der Stadt übten, gab es doch hin und wieder räuberische Angriffe auch auf befestigte Städte.

 

Nach dem dreißigjährigen Krieg wurden viele mecklenburgische und pommersche Städte sehr geschwächt, so auch unsere Heimatstadt, in der die kriegerischen Auseinandersetzungen heftig tobten. Es wurde notwendig, dass die stark dezimierte Bürgerschaft den Umgang mit den bis dahin wenig verbreiteten Feuerwaffen lernte, um sich und ihr Eigentum schützen zu können. Deshalb wurden  Mitte des 17. Jahrhunderts die Schützengilden wieder organisiert und belebt. So gab es um 1660 Schützenzünfte in Neubrandenburg, Parchim, Bützow, Warin, Wismar und anderen Orten.

 


Im Jahr 1659 hatte  „Von Gottes Herr Gustaff Adolph Hertzog zu Mecklenburg, Fürst zu wenden Schwerin und Ratzeburg, auch Graff zu Schwerin der Lande Rostock und Stargard“ der Stadt Neubrandenburg das Privileg erteilt , „ ... solche Ihre angefangene intention und auffgerichte Zunfft der Schützengilde in Gnaden zu confirmiren und zu Bestatigen,...“

 

Das bedeutete, dass auch dem Landesherrn die Führung solcher Schützenzünfte wünschenswert erschien. Dem Privileg zu Neubrandenburg 1659 lagen herzogliche Rechtsartikel bei, die Regelungen für das Verhalten der Schützen in der Zunft enthielten.

Auch ordnete der Herzog an, dass nicht mehr sonntags Schießübungen stattfinden dürften, dafür empfahl er den Montag. In weiteren Artikeln wies der Landesherr das Schießen nach der Scheibe an und gab Richtlinien zur Vermeidung von Gefahren bei den Schießübungen.

 

Letztendlich forderte der Herzog  von „Bürgermeistern und Rath und semptlichen Zunfftgenossen das sie dem selben in allen  gehorsambtlichen nachkommen und geloben, oder im wiedrigen unser ernstes einsehen und Straff zu gewardten haben sollen.“ Die Schützenzunft belebte sich in Neubrandenburg also nach herzoglichem Privileg und herzoglichen Regeln wieder.

 

Aus der „Geschichte der Vorderstadt Neubrandenburg“ von Dr. Karl Wendt, Neubrandenburg 1922 kann man über die Schützenzunft in Neubrandenburg folgendes erfahren: „die Schützenzunft, der jeder Bürger pflichtgemäß 6 Jahre angehören musste, forderte ein Bajonettgeld, für Instandhaltung der Gewehre; Tracht. Jeder Schütze, bewaffnet mit Gewehr und Degen, bekleidet mit weißen Beinkleidern, blauem Frack, schwarzer Halsbinde und dreieckigem Hute. Diese Uniform wurde geändert und bestand dann in einem schwarzen Waffenrock, schwarzem Lederzeug, schwarzer Mütze mit mecklenburgischer Cocarde und je nach dem Wetter weißen oder schwarzen Beinkleidern.


Nur die zwei rätlichen Beisitzer der Zunft begleiteten den König beim Aus – und Einmarsch am Königsschuß, der in den Tagen nach Pfingsten mit großem Gepränge gefeiert wurde! Auch am Dienstag nach Ostern wurde ausmarschiert und nach der Scheibe geschossen. Wer den besten Schuß tat, wurde König. Diese Ehre konnte sich aber nur ein Wohlhabender leisten, denn er musste der ganzen Zunft ein Königsmahl und ein Frühstück  ausrichten.


Die Schützenzunft hat Fahnen, 2 stammen vom Herzog Karl aus dem Jahre 1796, eine aus dem Jahre 1827, die vierte ist die der mobilen Bürgerwehr und wurde nach Auflösung derselben 1849 der Zunft überwiesen. Jederzeit sollen die Trommelschläger der Schützenzunft die Trommel rühren. Die Feuerwache stellte die Schützenzunft.

 

Verpflichtungen der Schützenzunft
1805 wurde zur Sicherheit gegen öffentliche Diebstähle eine Stadtwache errichtet. Außerdem musste sie während der Jahrmarktszeit nächtliche Streifwachen stellen. Beides wurde 1840 aufgehoben.“

 

Alle Zitate entnommen dem Archivmaterial,
gesammelt von H-J Pape; W.Mucha; H. Michaelis

 

Ein Beitrag von SchSchwester Giesela Zehrt

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